ORTungen 2017: »LOGO/PIENE – Initiative und Manifest für Kunst und Öffentlichkeit Münster«

public art memorial LWL Piene.png

»Possible danger zones for the public are usually marked in red and white. They indicate potentially accidental places with increased attention as vacancies of a temporary reconstruction in the public. The red-white warning tape catalyzes a sense of security in the public, which is increasingly threatened. The sculptural amalgam »Logo\Piene« is a public place of change in which this threat manifests, so it has to be marked! According to my site-specific artistic principle »ORTungen«, I suspect the significance of this sculptural art\advertising phenomenon »LWL-Logo\Piene«, in which the themes of the sculpture projects 2017 concentrate on contemporary art.« Jürgen Lemke

aua logo piene

ENGLISH Version – please see below

HIER KANN MAN DIE ONLINE – PETITION UNTERZEICHNEN

Initiative für Kunst und Öffentlichkeit – Transparenz in Zeiten von Digitalisierung, Globalisierung und neuen Ökonomien

Jürgen Lemke

Die Initiative für Kunst und Öffentlichkeit thematisiert den Übergriff auf die im Jahr 2014 neu digitalisierte Arbeit »Silberne Frequenz« des international renommierten Lichtkünstlers Otto Piene (Gruppe ZERO) an der Außenwand des »LWL-Museums für Kunst und Kultur« in Münster. Seit 1972 hing die Piene-Lichtkunstarbeit an der Fassade des »Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte«. Mit Museums-Neubau und Namenswechsel vollzieht sich offenbar ein grundlegender Einstellungs-Wandel gegenüber der Kunst. Mitten in der neu gestalteten Arbeit von Otto Piene glänzt nun fehlplaziert in metergroßen Lettern das LWL-Logo. Die Umwidmung des Kunstwerks zu einer »LWL-Werbeanlage« sowie auch »Kunst als Markenzeichen« ist schwer hinzunehmen. Daher möchte die Initiative Öffentlichkeit herstellen und einen Kunst-Fach-Diskurs eröffnen, um mehr Transparenz und Aufklärung in diese untragbaren Vorgänge zu bringen.

Der Landschaftsverband-Westfalen-Lippe (LWL) als Betreiber des LWL-Museums ist für die, unter kuratorischen und ethischen Aspekten unverantwortlichen, musealen Marketing-Übergriffe auf den eigenen Kunstbestand zuständig. Er ist zugleich Auftraggeber und Veranstalter der internationalen Ausstellung »Skulptur Projekte 2017«, die alle 10 Jahre den Wandel von »Kunst und Öffentlichkeit« in Münster untersucht und thematisiert. Im Jahr 2017 lauten deren Themen »Digitalisierung, Globalisierung und neue Ökonomien«. Was liegt also im Sinne der Kunst näher, als sich auch dieser Vereinnahmung von Kunst für repräsentative museale Zwecke an der Museums-Außenwand verantwortlich zu widmen? Denn hier hängen offenbar entwertende Auswüchse der aktuellen Skulptur Projekte Themen gleichsam als Steilvorlage in Form des »LOGO\PIENE- Amalgams« symbolhaft sichtbar an der eigenen Fassade.

Die »Logo-Attacke auf die Kunst« erhält noch eine besondere Brisanz: Der im Jahr 2014, vor der Einweihung seiner neu digitalisierten »Silberne Frequenz«, verstorbene Künstler Otto Piene soll der Einfügung des LWL-Logos unter »Kunst ist Information«-Aspekten in seine Arbeit zugestimmt haben. LWL-Kulturverantwortliche versichern, der Künstler habe das selbst so gewollt, – damit aber wäre sein Werk inklusive LWL-Logo ein »Kunstwerk«. Selbst wenn dies nicht freiwillig, sondern unter Druck geschehen sein soll: seine Lichtarbeit sollte offenbar ohne Logo-Berücksichtigung nicht wieder installiert werden. Ein Rückbau des LWL-Logos wäre dann aber ein weiterer entmündigender Eingriff in die »künstlerische Arbeit« von Otto Piene. Auch die Auskunft der Stadt Münster auf eine GRÜNEN Anfrage wegen eines möglichen Verstoßes gegen die Altstadtsatzung (»Werbeanlagen in Form von Lichtprojektionen sind danach unzulässig«) behauptet: das sei »Kunst« und keine Werbung!

Das »LOGO\PIENE – Kunst/Marketing-Konstrukt« stellt sich somit unter »Kunst/Autonomie-Fragen« als hochkomplex klärungsbedürftig dar. Eine Entfernung des LWL-Logos vor Beginn der Skulptur Projekte 2017, um Museums-Fassade und Piene-Kunst gleichsam wieder »rein zu waschen«, wäre angesichts seiner zeitaktuellen symbolhaften Bedeutung für die Kunst unverantwortlich. Was immer mit der Piene Arbeit weiterhin geschieht, sie braucht einen ihr angemessenen sorgfältig und gründlich geführten Kunst-Fach-Diskurs während der Skulptur Projekte.

Die Transparenz einfordernde publikumsnahe Neu-Konzeption des LWL-Museums »OFFEN!« dürfte einem verantwortungsbewusst klärenden Umgang mit diesem Thema im eigenen Interesse keine Hindernisse in den Weg legen. Allerdings gehen die Verantwortlichen aktuell nicht offensiv mit dieser Problematik um. Angesichts einer Weltöffentlichkeit bei den kommenden »Skulptur Projekte 2017« droht international ein Gesichtsverlust. In einem, im skulptural emanzipativen Sinn, offen und professionell geführten Auseinandersetzungsprozess mit der »LWL-Fassade« läge die Chance, dass es für eine um die Kunst in Münster besorgte Öffentlichkeit transparent, partizipativ und weltoffen zugewandt nach vorne geht.

Die Initiative für Kunst und Öffentlichkeit fordert daher

  • den Landschaftsverband-Westfalen-Lippe (LWL) auf, neben seinen wissenschaftlichen Kommissionen für Altertum, Mundart, Literatur, Geografie und Volkskunde – auch eine zeitgenössische Kunstkommission einzurichten. Zur Untersuchung des LWL-Marketing-Übergriffs auf die Kunst sowie zum Thema »Wandel musealer und kuratorischer Aufgaben im Zeichen von Digitalisierung, Globalisierung und neuen Ökonomien« als auch für eine kunstfachliche Beratung des LWL-Kulturausschusses.
  • das LWL-Museum für Kunst und Kultur auf, während der »Skulptur Projekte 2017« das von Direktor Dr. Hermann Arnhold bereits mehrfach avisierte internationale Symposium zum Thema »LWL-Logo und Silberne Frequenz« durchzuführen.
  • den Landschaftsverband-Westfalen-Lippe auf, die »Skulptur Projekte 2017« zu beauftragen, die für einen Wandel von »Kunst und Öffentlichkeit« in Münster relevanten Ereignisse an der LWL-Museums-Fassade im Rahmen der Themen »Digitalisierung, Globalisierung und neue Ökonomien« zu untersuchen.
  • LWL und »Skulptur Projekte« auf, am LWL-Museum für Kunst und Kultur den Standort »Vorplatz-Piene« frei zu geben für notwendige partizipative Prozesse, Diskurse und künstlerische Ideen aus der lokalen und internationalen Öffentlichkeit. Anregungen, Konzepte und Kritik sollten bei den Skulptur Projekten gesammelt, diskutiert und dokumentiert werden.
  • die Stadt Münster als Vertragspartnerin des LWL für die »Skulptur Projekte 2017« auf, die für Kunst und Öffentlichkeit und für das Stadtmarketing in Münster relevanten LWL\PIENE Vorgänge in seinen Gremien »Kunstfachbeirat«, »Beirat Münster Marketing« sowie im »Kulturausschuss« zu thematisieren.

Erstunterzeichner*innen des Manifests für Kunst und Öffentlichkeit:

Ursula Achternkamp (Bildende Künstlerin, Havelberg), Rainer Bauer (Bildender Künstler, Aachen), Martin Becker (Stadtplaner, Münster), Frank Behnke (Schauspieldirektor, Theater Münster), Frank Biermann (Musiker/Journalist, Münster), Dr. Silvia Bürkle (Ärztin, Karlsruhe), Prof. Katja Butt (Bildende Künstlerin, Köln), Luzia-Maria Derks (Bildende Künstlerin, Münster), Lena Dues (Kunststudentin, Münster), Reinhard Fiedrich (Grafikdesigner, Münster), Thomas Gerhards (Bildender Künstler, Münster), Hannah Gerlach (Musikpädagogin, Münster), Dr. Hans Gummersbach (Historiker, Münster), Ulrich Haarlammert (Bildender Künstler, Münster), Alfons Hanewinkel (Gestalttherapeut, Münster), Klaus-Dieter Hedwig (Bauingenieur, Münster), Susanne Hegmann (Bildende Künstlerin, Münster), Dr. Martin Henatsch (Büro Kunst & Öffentlichkeit, Hamburg), Jörn Hintzer (Bildender Künstler, Berlin), Erhard Hirt (Musiker, Münster), Georg Janßen (Bildender Künstler, Münster), Christian Jasper (Bildender Künstler, München), Prof. Hans-Paul Isenrath (Bildender Künstler, Le Nayrac), Maryam Kayanor (Bildende Künstlerin, Münster), Manfred Kerklau (Regisseur, Münster), Dr. Max Kobbert (emer. Professor der Kunstakademie Münster), Prof. Andreas Köpnick (Bildender Künstler, Münster), Prof. Milo Köpp (Bildender Künstler, Essen), Ruppe Koselleck (Bildender Künstler, Münster), Anja Kreysing (Künstlerin, Münster), Ulrike Krey-Voss (Kunstherapeutin, Münster), Dr. Sabine Ladwig (Kunsthistorikerin, Ennigerloh), Ute Lemke-Noll (Unternehmerin, Rheurdt), Ekki Maas (Musiker, Köln), Siggi Mertens (Musiker, Münster), Martina Muck (Bildende Künstlerin, Münster), PD Dr. Heinz-Ulrich Nennen (Philosophiedozent, Münster), Gertrud Neuhaus (Bildende Künstlerin, Münster), Julia Pabst (Bildende Künstlerin, Köln), Peter Reuter (Bildender Künstler, Münster), Monika Rincklake van Endert (Rentnerin, Münster), Rudolf Rincklake van Endert (Rentner, Münster), Jörg Rostek (Studierender, Münster), Werner Rückemann (Bildender Künstler, Münster), Prof. Christoph Rust (Bildender Künstler, Hannover), Jens Schneiderheinze, Thomas Behm (Cinema & Linse, Münster), Beate Schlör (Bildende Künstlerin, Münster), Herbert Schoppmann (Bildender Künstler, Münster), Gabriele Seifert (Bildende Künstlerin, Köln), Anke Stellermann (Bildende Künstlerin, Münster), Ulla Struck (Musikerin, Münster), Olaf Thomas (Bildender Künstler, Münster), Stefan Us (Bildender Künstler, Münster), Constanze Unger (Bildende Künstlerin, Münster), Henri Alain Unsenos (Bildender Künstler, Berlin), Dr. Bettina Warwitz (Ärztin, Berlin), Heidemarie Wenzel (Bildende Künstlerin, Münster), Christoph Wickert (Autor, Berlin), Dr. Heiko Winkler (Unternehmensberater, Münster), Prof. Edgar Wilhelm (Theaterpädagoge, Münster), Dr. Annette Wittboldt (Kunsthistorikerin, Kiel)

Hier kann die zugehörige Online-Petition unterzeichnet werden, die Stimmen für eine Untersuchung des LWL-Marketing-Übergriffs auf die »Silberne Frequenz« von Otto Piene sammelt:   https://www.openpetition.de/petition/online/ortungen-2017logo-piene-untersuchung-des-lwl-marketing-uebergriffs-auf-die-piene-kunst-in-muenster 

http://m.wn.de/Muenster/Kultur/2749623-Juergen-Lemke-organisiert-im-Jahr-der-Skulptur-Projekte-Widerstand-LWL-Logo-als-Mahnmal

piene Platzhalter Baustelle

ENGLISH Version:

ORTungen 2017: »LOGO / PIENE – Initiative and Manifesto for Art and the Public Münster«

ONLINE – PETITION

Initiative for art and the public – transparency in times of digitization, globalization and new economies

Jürgen Lemke

The initiative for art and the public will focus on the work of the internationally renowned light artist Otto Piene (group ZERO), newly digitized in 2014, on the outer wall of the „LWL Museum of Art and Culture“ in Münster. Since 1972 the Piene-lightwork has hung on the façade of the „Westphalian State Museum of Art and Cultural History“. With a new museum building and a change of name, a fundamental change of attitude towards art is clearly taking place. In the middle of Otto Piene’s redesigned work, the LWL logo now shines with flawless letters in meter-sized letters. The conversion of the work of art into an „LWL advertising system“ as well as „art as a trademark“ is difficult to accept. Therefore, the initiative wants to establish the public and open up an art discourse in order to bring more transparency and clarification into these intolerable processes.

The Landschaftsverband-Westfalen-Lippe (LWL), the operator of the LWL Museum, is responsible for the museal marketing overshoots which are irresponsible under curatorial and ethical aspects. At the same time, he is the sponsor and organizer of the international exhibition „Skulpturprojekte 2017“, which examines and discusses the change of „art and the public“ in Münster every 10 years. In 2017, they will be discussing „digitization, globalization and new economies“. So what is closer to the art of art than to the taking-over of art for representative museum purposes on the outer wall of the museum? This is because, obviously, deprecatory exaggerations of the current sculpture projects are, as it were, symbolically visible on the facade of the „LOGO \ PIENE-amalgam“.

The „Logo Attack on Art“ still has a special impact: the artist Otto Piene, who died in 2014, before the inauguration of his newly digitized „Silver Frequency“, is supposed to be the insertion of the LWL logo under „art is information“ aspects In his work. LWL-Kulturversantwortliche assure that the artist had wanted it himself, but his work, including the LWL logo, would be a „work of art“. Even if this should not be voluntary, but under pressure: its light work should obviously not be reinstalled without logo consideration. A dismantling of the LWL-logo would then be a further incapacitating intervention in the „artistic work“ of Otto Piene. Also the information from the city of Münster on a GREEN request for a possible violation of the old-town charges („advertising installations in the form of lighting projections are then inadmissible“) asserts that this is »art« and not advertising!

The „LOGO \ PIENE – Art / Marketing-Construct“ thus presents itself as a high complex of clarification under „art / autonomy questions.“ A removal of the LWL logo before the start of the sculpture projects in 2017, the museum facade and Piene art „To wash clean“ would be irresponsible in the face of its contemporary symbolic significance for art. Whatever happens to the work of the pioneer, she needs a proper, thoroughly and thoroughly conducted art-discourse during the sculpture projects.

The transparency of the LWL-Museum „OPEN!“, Which demands a visibility to the public, should not put obstacles in the way of dealing with this topic in its own interest. However, the responsible persons are currently not acting offensively with this problem. In the face of a world publicity in the upcoming „Sculpture Projects 2017“, a face loss is threatening internationally. In an openly and professionally conducted struggle with the »LWL-façade«, which is openly and professionally conducted in a sculptural, emancipative way, there is the chance that the public will be transparent, participatory and cosmopolitan towards the front for a public concerned about the art in Münster.

The initiative for art and the public therefore demands

  • The Landschaftsverband-Westfalen-Lippe (LWL), in addition to its scientific commissions for antiquity, dialect, literature, geography and folklore, as well as a contemporary art commission. To examine the LWL marketing overlap on art as well as the topic of »Changing of museal and curatorial tasks in the sign of digitization, globalization and new economies«, as well as an expert consultation of the LWL Culture Committee.
  • The LWL-Museum for Art and Culture, during the »Sculpture Projects 2017«, the International Symposium on the subject of »LWL-Logo and Silver Frequency«, which has already been announced several times by Director Dr. Hermann Arnhold.
  • The „Skulpturprojekte 2017“, the „Sculpture Projects 2017“, the events relevant to a change of „art and the public“ in Münster on the LWL Museum façade in the context of the topics „Digitization, Globalization and New Economies“ to investigate.
  • LWL and „sculpture projects“ to release the location in front of the LWL Museum of Art and Culture (Otto Piene) for necessary participatory processes, discourses and artistic ideas from the local and international public. Suggestions, concepts and criticism should be collected, discussed and documented during the sculpture projects.
  • The City of Münster as the contracting partner of the LWL for the „Skulpturprojekte 2017“, the LWL \ PIENE events relevant to the arts and the public and for the city marketing in Münster in its committees „Kunstfachbeirat“, „Advisory Council on Marketing“ and in the „Kulturausschuss“ broach.

First signatory * of the Manifesto for art and the public:

(please see list above in German part)

Here the corresponding online petition can be signed, which collects votes for an examination of the LWL marketing overlap on the „Silver Frequency“ of Otto Piene:

  https://www.openpetition.de/petition/online/ortungen-2017logo-piene-untersuchung-des-lwl-marketing-uebergriffs-auf-die-piene-kunst-in-muenster 

http://m.wn.de/Muenster/Kultur/2749623-Juergen-Lemke-organisiert-im-Jahr-der-Skulptur-Projekte-Widerstand-LWL-Logo-als-Mahnmal

„Ein Volksfeind“ im Theater Münster

volksfeind

„Ein Volksfeind“ im Theater Münster
von Hendrik Ibsen in einer Bühnenfassung von Florian Borchmeyer

von Jürgen Lemke

„… nicht nur das Wasser ist vergiftet sondern die Grundlagen unserer Gesellschaft …“, so  Stockmann (Aurel Bereuter) in seinem fundamental gesellschaftskritischen und intensiven Monolog vor der Bürgerversammlung „Publikum“ – der von ihm selbst auf den Punkt geschrieben ist. Darin ist viel Wahrhaftiges. Eine glühend kämpferische und idealistische Überzeugung, dass eigentlich etwas fundamental in dieser Gesellschaft verändert werden muss, wenn es zum Schaden aller ist und auch Ohnmacht und Verzweiflung darüber, wie ein korruptes Lobby-System funktioniert. Wie ökonomische Sachzwänge Wahrheiten verdrehen und wie „Vergiftungen auf allen Ebenen“ schließlich als Fundament für diese Gesellschaft akzeptiert werden. Am Ende wirkt körperliche Gewalt gegen einen, der Wahrheit ausspricht und es wird von einer stillhaltenden Mehrheit hingenommen.
Stockmanns, bzw Bereuters Kampf, gegen ein virulentes Gesellschafts-Lügengespinst bis an den Rand des Wahnsinns ist so lebendig und überzeugend mitreißend spürbar, wie selten im Theater. Er trifft hochaktuell den Nerv dieser Zeit.

Im fiktiven Kur- und Aasee-Bad Münster, Heile-Welt-Stadt und lebenswertester Ort der Welt, entdeckt Kurarzt Stockmann (Aurel Bereuter), der gerade mit seiner Frau (Julia Stefanie Möller) ein Baby bekommen hat, dass die Grundlage aller für Leben und Wohlstand, das so wichtige heilsame Wasser vergiftet ist. Über diesen Skandal will er die Öffentlichkeit durch einen Artikel in der örtlichen Zeitung aufklären. Schließlich ist er verantwortlich für das Wohl seiner Patienten, die in ein Kurbad kommen, wo sie Heilwasser gegen ihre Leiden für die Gesundheit erwarten und stattdessen aber Giftwasser bekommen, das sie eher noch kränker macht.
Eigentlich doch unstrittig diese skandalöse Entdeckung per Test objektiv belegt. Eine Unmöglichkeit, ein unfassbar schädlicher Vorgang, wo jedem mündigen Bürger klar sein müsste, dass das sofort abgestellt gehört. Aber es ist eben nur „eine Wahrheit“, die andere wird von Interessen bestimmt.

Der Bruder des Arztes, Bürgermeister (Mark Oliver Bögel), hat diese „andere Wahrheit“. Er ist scheinbar bemüht um das Wohl der Stadt und will eine Veröffentlichung der Wassertests mit Macht verhindern. Die Zukunft der Stadt steht auf dem Spiel also versucht er die Giftigkeit des Wassers herunter spielen. Verleger und Journalisten zu überzeugen, den Artikel nicht zu veröffentlichen. Es brauche zu viel Geld, um das Wasser zu reinigen. Das sei nicht vorhanden. Er verordnet folglich als Dienstherr seinem brüderlichen Angestellten das Schweigen. Stockmanns „Freunde“ bei der Zeitung Hovstedt (Dennis Laubenthal) und Billing (Maximilian Scheidt ) reagieren zunächst unterstützend, dann aber unter Einfluss des Bürgermeisters ablehnend und schließlich korrupt.
Kurarzt Stockmann hält sich jedoch nicht an seine Schweigepflicht und dafür aber eine glühende Rede für die Wahrheit gegen ein vergiftetes Fundament unserer Gesellschaft vor der Bürgerversammlung und wird daraus gewaltsam entfernt und zusammengeschlagen.
Verursacher der Wasservergiftung ist ausgerechnet die Fabrik seines Schwiegervaters Morten Kiil (Gerhard Mohr), der mit dem Aufkauf, der nun gefallenen Kurbad-Aktien, die er nun ganz perfide an Stockmann „vererbt“ das Ganze schließlich auf die Spitze treibt und das Ausmaß an Ohnmacht und Verstrickung sichtbar macht. Am Ende steht Stockmann, der Verkünder unliebsamer Wahrheiten, als „ein Volksfeind“, allein und ohne Job. Selbst die Loyalität seiner Frau (Julia Stefanie Möller) steht auf dem Spiel. Ein Münstertypisches Bühnenbild (David Hohmann) mit sperrigem Fahrradchaos unterhalb einer Stadtkulisse im Scherenschnitt und der ewige Regen unterstreicht eine eher trostlose depressive Atmosphäre.

„Ein Volksfeind“ zeigt in einer überragenden schauspielerischen und inszenatorischen Leistung, symptomatisch und treffend, wie sich Protagonisten aus Medienwelt, Ökonomie und Verwaltung angesichts einer Katastrophe zwischen privat und öffentlich verhalten. Die zeitaktuelle Brisanz einer Verflechtung zwischen wirtschaftlichen Finanz- und Lobby-Interessen und der Ohnmacht eines diese Verbindungen sehenden aufgeklärten idealistischen Individuums ist auf den Punkt gebracht. Theater wird hier als ein Ort unmittelbaren Empfindens, Denkens und Handelns in mitreißender Weise lebendig.

Stockmann greift zurecht in seiner Rede eine „scheißliberale schweigende Masse“ an, die sich einen ständigen Verrat am wirklichen Leben gefallen lässt und dies dennoch nicht abwählt: Bankenbetrug, Fleischvergiftung durch Massentierhaltung, Wasservergiftung, etc.
Selten ist eine „innere Aufforderung“ im Theater als Zuschauer zu handeln und in die Inszenierung aktiv einzugreifen so unmittelbar spürbar. Es ist unerträglich zu erleben, wie gewaltsam körperlich eine Medien- und Lobbymacht schließlich unmittelbar auf den Einzelnen einwirkt. Wie aufgrund, eines verlogenen, nur scheinbar für die Allgemeinheit notwendigen öffentlichen Wohls, selbst vergiftetes Wasser in Kauf genommen wird und Leben aufs Spiel gesetzt wird. Es geht in Wirklichkeit um riesige Gewinne und die Bereicherung weniger Profiteure auf Kosten der Allgemeinheit.

„Volksfeind“, eigentlich ein Volks-Held… aber eben schädlich weil er leider die falsche Wahrheit hat und damit auch noch provoziert und angreift. Daraufhin muss er von gewalttätigen „Zuschauern“ vor einem tatenlosen Publikum aus dem Theater geschleppt werden. Seltsam direkt und doch distanziert, wie in den Medien, wie ein Bericht in den Nachrichten, läuft diese unmittelbare Gewaltaktion an Stockmann aus dem Theatersaal, groß projiziert auf die Kulisse als ein Action-Film hinaus in die Wirklichkeit des nächtlichen Münsters. Die Unmittelbarkeit eines „Live-Erlebens“, des dicht dran seins im Theater-Raum wird im Moment noch dokumentarisch. Ihrer brisanten Spitze enthoben. Jetzt scheint es „nur noch Nachricht“. Da kann ich ja nichts mehr tun. Jetzt brauche ich nicht mehr einzugreifen. Das ist wie Fern-Sehen. Ich bin als Zuschauer entlastet von meinem Handeln. Gut so. Ach, nun ist es erstmal weit weg…
Das Wirkliche, „echte Reale“, scheint immer weiter von uns weg zu rücken. Ein künstlich  Gemachtes wird immer größer und lauter. Inszenierte Realität „privater Sender“ ist eben besser geeignet, um an den Bildschirm zu fesseln. Höhere Quote zu machen. Mehr Werbe-Geld einzuspielen. Ein manipuliertes gehyptes „Leben“ ist spektakulärer und lässt sich besser verkaufen. Mediale Inszenierungswut in den Medien. Die Sucht nach dem spektakulären Hype. Nach dem täglichen Horror. Der Freak-Show. Entfremdet, hilflos… ausgeliefert… allein?

Erschreckend, wie dicht dieses Theater aktuell an unser aller Wirklichkeit ist. Wie ohnmächtig ökonomiegesteuerte Verflechtungen zwischen Politik, Wirtschaft, Medien wirken. Wie kurzsichtig „lebensgefährlich“ eine Lobby-gesteuerte „Real-Politik“ agiert, die wirtschaftliche Interessen vor den gesundheitlichen Schutz der eigenen Bevölkerung stellt. Dennoch wird dieses scheinbar so notwendige Wirtschafts-Handeln aus Sachzwängen offenbar von der großen Mehrheit als gleichsam unveränderlich gegeben hingenommen. Von einer scheinbar vernünftig und sachlich rational handelnden Gesellschaft, die aber primär davon bestimmt zu sein scheint, weltweit auf Kosten vieler zum Benefit weniger, möglichst alle verfügbaren Ressourcen auszubeuten, um immer mehr Profite zu erzielen. Wenige bereichern sich auf Kosten der Gemeinschaft. Alles, selbst die „Wahrheit“ ordnet sich immer mehr einem ausbeutenden Gewinnstreben unter.
Das alles ist eigentlich völlig irre und wahnsinnig. Nicht der Einzelne, der dagegen rebelliert und als „Volksfeind“ geoutet wird.

Können wir da nicht raus? Müssen wir alle mit? Ob wir wollen oder nicht? Sind wir alle Teil einer „Wachse-Oder-Weiche“ Gesellschaftsstruktur, die auf Werbe-Lügen aufgebaut ist? Müssen wir mitmachen oder stehen wir sonst am Ende allein? Ohne Familie, ohne Bruder, ohne Frau und Kind, ohne Job und eigene Wohnung, auf der Straße…? Wenn wir nicht mitspielen…?
Ist dieses Stück nicht vielmehr eine Aufforderung, sich angesichts all dieser unfassbaren realpolitischen Zweck-Lügen, gerade deshalb umso mehr zu engagieren. Auch als Einzelner für Werte und Wahrheit einzustehen und sich nicht anzupassen, auch wenn es schier aussichtslos erscheint.
Es ist in diesem Theater eine Lebendigkeit zu spüren, die vor allem durch ein authentisches überzeugendes Spiel des Hauptdarstellers wirkt. Es geht um diese besondere mitreißende bewegende Energie, die spürbar wird, wenn der Kern existenziell vielleicht dort getroffen ist, wo Seele ist. Die Bereitschaft für die eigene Überzeugung zu kämpfen derart unmittelbar präsent aufscheint. Auch wenn es irgendwie auch sinnlos, ja verrückt ist. 
Es beschreibt den Weg des Künstlers, Schauspielers, Sehers, Utopisten oder auch Schamanen. Ein Weg der steinig ist aber Sinn macht. Etwas von diesem besonderen Leuchten ist auf das Publikum übergesprungen.
Danke dafür. 

 Inszenierung: Frank Behnke

Bühnenbild: David Hohmann
Kostüme: Kristopher Kempf
Video: Matthias Greving
Dramaturgie: Friederike Engel

Stockmann, Badearzt: Aurel Bereuter
Frau Stockmann, seine Frau: Julia Stefanie Möller
Peter Stockmann, Stadtrat – hier Bürgermeister: Mark Oliver Bögel
Aslaksen, Buchdrucker: Frank-Peter Dettmann
Hovstedt, Redakteur: Dennis Laubenthal
Billing, Mitarbeiter der Zeitung: Maximilian Scheidt
Morten Kiil, Stockmanns Schwiegervater: Gerhard Mohr

http://www.theater-muenster.com/produktionen/ein-volksfeind.html/m=117

PS: Fiktion und Wirklichkeit
Das Thema „Gift im Wasser“ ist brandaktuell. Nicht nur hier im Theater auch in der Wirklichkeit.
Hat doch gerade eine Lobby-Politik, forciert durch Kommissar Oettinger, die vom EU-Parlament schon beschlossene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) beim sogenannten „Fracking“ wieder aufgehoben, so dass bei den geplanten unkonventionellen Gasförderungen vergiftetes Wasser in großen Mengen unkontrolliert in den Boden gepumpt werden darf.
Die Förderrechte für die Gas-Claims rund um die Stadt Münster hat sich der amerikanische Weltkonzern EXXON gesichert. Mit einem EU-Persilschein wegen des Freihandelsabkommens im Rücken kann es nun schon bald trotz momentanen NRW Vetos auch hier mit dem Gasbohren losgehen. Denn das Bundes-Berg-Recht gibt den Konzernen alle Rechte dazu.
Dann entsteht auch hier, in der schönen Münsterländischen Parklandschaft, wo man es noch überhaupt nicht vermutet, ein verrohrtes, betoniertes und abgefackeltes Erdgas-Fördergebiet nach US-Vorbild (brennendes Gas mit Wasser zusammen aus einer Leitung)
Dann wäre auch in Wirklichkeit Schluss mit der lebenswertesten Heile-Welt-Stadt Münster. Sie läge mitten in einer Industrielandschaft…

Echzeit-Theater spielt „Smartopia“ im Münsteraner Kreativhaus

von Jürgen Lemke

Zwei Frauen, zwei Männer. Ein Mini-Mischpult.  Ein Beamer. Drei Smartphones. Ein Handy. Ein wunderbar lebendiges selbstgemachtes Spiel beginnt. Mehrstimmig. Präzise. In einem fast schlafwandlerisch aufeinander eingespielten Kollektiv. Wie miteinander verwachsen. Wunderbar spielerisch, leicht miteinander eingestimmt. Erstaunlich präsent diese junge Gruppe. Auf dem Punkt. Unglaublich stimmig. Ohne Frage sehr begabt. Allesamt.

In Echtzeit spielen Nina Spinger, Luisa Hausmann, David Gruschka und David Kilinc „Smartopia“. Reihen virtuos eine Nummer an die nächste. Sie spielen Zukunftsmusik rund ums Handy. Nein, ums Smartphone. Das kann nun neben telefonieren inzwischen fast alles. Es kann SMS. Es kann Musik. Es kann Film und Foto. Es kann Mikro. Und die jungen Akteure zeigen, was man nun damit alles kann. Live auf der Bühne. Virtuos und präzise. Überzeugen bildhaft tänzerisch mit Symbolen, Smartphone Augen-Monitoren am Körper oder kritisch per Beamer-Trickfilmanimationen  über chinesische Smartphoneproduktion. Treffen sprachlich den Zeitgeist oder singend poetisch oder auch ganz banal. Mit Satzfragmenten wie: „Manchmal traue ich mich gar nicht mehr, auf Festnetz anzurufen. Festnetz ist irgendwie so privat…“ „Wenn das Licht im Display erlischt, gehe ich schlafen…“ „Weiß jemand wann das neue IPhone vorbestellt werden kann?“ Per Beamer an die Wand geworfene Sätze karikieren SMS oder Blog-Dialoge technikverrückter IPhone-Maniacs, wie aus dem Netz mitgeschnitten, die ihrem Fetisch huldigen. Es nicht abwarten können, wann das Iphone 6 in den Laden kommt. Immer auf dem neuesten Stand sein. Am Statussymbol einer Generation. Schwarz oder Weiß? Smartphone Sex mit oder ohne Bumper…?

Und… neben all meiner Begeisterung über wunderbar gesetzten mehrstimmigen Gesang, präsentes Sprechen und choreografisch klar aufeinander abgestimmte Bewegungen, über „Heiteres und Kritisches“ rund ums Smartphone. Irgendetwas fasst nicht gänzlich an. Gleitet ab, wie am Smartphone-Display. Vielleicht ist es thematisch gewollt, dass es letztlich nicht tief berührt? Eher an einer schillernden glitzernden Oberfläche bleibt? Sich trotz kritischer Töne dort hält? Muss es denn tiefer gehen? Es sind die entscheidenden Punkte rund um die schöne neue Kommunikationswelt angesprochen, angesungen, angespielt, angetanzt… Einiges vielleicht auch etwas naiv. Immer aber ehrlich. Ästhetisch. Virtuos. Seltsam. Es war doch richtig gut. Es war zudem sehr schön. Besonders der mehrstimmige Gesang und auch die einzeln gesungenen und per Smartphone-Musik live gespielten Stücke.

Ist es symptomatisch das goldbehemdete Outfit und die Sportler-Schnürschuhe, die die Gruppe schnell und fast akrobatisch machen? In Impro-Theater-Haltung über die Bühne fliegen lässt? Etwas zu schnell? Zu homogen? Zu unpersönlich trotz aller Nähe? Dem Thema zu angepasst, an einer Oberfläche bleibend? Könnte ein Business-Outfit mehr Brüche erzeugen? Etwas Raues, Sprödes, Schräges, Unpassendes, an dem man mehr hängen bleibt? Irgendetwas gleitet an dieser Variete-Atmo als scheinen die Nummern fast zu glänzend zu laufen? Zu passend an einer irgendwie ja auch glatten Thematik? Zu schön homogen, sportlich schnell drüber weggeglitten? Selten scheint Individualität auf, die das Stück zu seiner Vertiefung brauchen kann. Jenes berührende verwundete allein sein hinter all der wunderbar verbindenden modernen Kommunikations-Technik?

Münster, den 27.1.2013

http://www.kreativ-haus.de/index.php?id=449&tx_ttnews%5Btt_news%5D=792&cHash=1d78af8236f138a9dc2306372192e4f8 http://www.echtzeit-theater.de

http://www.medienkompetenzschule.wordpress.com

 

„Pizza, Pasta, Kunst und BASTA!“, Premiere des Films zum Kunstprojekt „sozialpalast 2012“ im CINEMA, Münster

Eine kritische Nachbetrachtung von Jürgen Lemke 

Kunst in einer Pizzeria? Die Künstlerinnen und Künstler, Gertrud Neuhaus, Michael Göring, Ursula Achternkamp und Jae Pas, alle ehemalige Meisterschüler der Kunstakademie Münster, haben im Sommer 2012 auf Einladung von „sozialpalast“ in der Pizzeria des Peppino an der Kanalstraße raumbezogen künstlerische Projekte erarbeitet und ausgestellt. Darüber ist der Film „Pizza, Pasta, Kunst und BASTA!“ entstanden, der am 6.1.2013 im CINEMA Premiere hatte.

War Kunst für den Film eher Anlass, ein Portrait über den Pizzabäcker Peppino zu drehen? „Pizza, Pasta, Kunst und BASTA!“ ist für mich leider ein Beispiel dafür, wie eine unpräzise subjektive Darstellung durch das Medium Film den Blick auf Wirklichkeit verstellen kann. Als Künstler und Kurator für Kunst im Öffentlichen Raum bin ich verärgert darüber, wie unprofessionell Kunst hier in Szene gesetzt wird. Besonders die raumbezogene Arbeit von Michael Göring, die u.a. mit Fenstern und Durchblicken gearbeitet hat, wird nicht ein einziges Mal vollständig und als länger stehendes Bild in ihrem räumlichen Gesamtkontext gezeigt. Sie ist somit im Film für einen Betrachter nicht zu verstehen und wird aber dadurch regelrecht dem Vor-Urteil des Kunst-Laien ausgeliefert. Und es erscheint folglich logisch, dass sie dann auch vom Protagonisten Peppino als „nicht verständlich“ bewertet wird?

Bei aller Liebe für engagierte soziale Interventionen und deftige Charakterdarstellungen aber die hier praktizierte Banalisierung von Kunst geht mir zu weit. Auch wenn Peppinos nonchalante Art laienhafter Kunstbetrachtung sicherlich auch seinen Charme hat, hier geht es auf Kosten einer anspruchsvollen und ernsthaften künstlerischen Auseinandersetzung. Und gerade die schätze ich bei den Beteiligten.

Auch wenn die Arbeit von Gertrud Neuhaus insgesamt ausführlicher und verständlicher dargestellt ist, bei der Darstellung der Arbeiten von Ursula Achternkamp und auch bei Jae Pas überwiegt wieder der Eindruck, dass sie nur unzureichend ins Bild gesetzt sind, um sie nachvollziehen zu können. Da dieser Film aber, neben Peppino explizit auch die ausgestellte Kunst zum Thema hat, ist dies meiner Ansicht nach aus kuratorischer Sicht schwer zu verantworten. Kunst bekommt in diesem nicht wirklich wertgeschätzten Kontext eher den fahlen Beigeschmack, schnöder Dienstleister zu sein, der allerdings für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat, wie die zahlreichen Zeitungsartikel demonstrativ zeigen.

Sicherlich ist der Pizzabäcker Peppino eine spannende Persönlichkeit, deren filmische Charakterisierung hier auch durchaus gelungen ist. Wenn man also als Kinobesucher die Kunst als schönste Nebensache der Welt beiseite lassen kann und sich an einem italienischen Original erfreuen möchte – für den ist der Film sicherlich lohnenswert.

http://www.sozialpalast.de