ORTungen 2017: »LOGO/PIENE – Initiative und Manifest für Kunst und Öffentlichkeit Münster«

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»Possible danger zones for the public are usually marked in red and white. They indicate potentially accidental places with increased attention as vacancies of a temporary reconstruction in the public. The red-white warning tape catalyzes a sense of security in the public, which is increasingly threatened. The sculptural amalgam »Logo\Piene« is a public place of change in which this threat manifests, so it has to be marked! According to my site-specific artistic principle »ORTungen«, I suspect the significance of this sculptural art\advertising phenomenon »LWL-Logo\Piene«, in which the themes of the sculpture projects 2017 concentrate on contemporary art.« Jürgen Lemke

aua logo piene

ENGLISH Version – please see below

HIER KANN MAN DIE ONLINE – PETITION UNTERZEICHNEN

Initiative für Kunst und Öffentlichkeit – Transparenz in Zeiten von Digitalisierung, Globalisierung und neuen Ökonomien

Jürgen Lemke

Die Initiative für Kunst und Öffentlichkeit thematisiert den Übergriff auf die im Jahr 2014 neu digitalisierte Arbeit »Silberne Frequenz« des international renommierten Lichtkünstlers Otto Piene (Gruppe ZERO) an der Außenwand des »LWL-Museums für Kunst und Kultur« in Münster. Seit 1972 hing die Piene-Lichtkunstarbeit an der Fassade des »Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte«. Mit Museums-Neubau und Namenswechsel vollzieht sich offenbar ein grundlegender Einstellungs-Wandel gegenüber der Kunst. Mitten in der neu gestalteten Arbeit von Otto Piene glänzt nun fehlplaziert in metergroßen Lettern das LWL-Logo. Die Umwidmung des Kunstwerks zu einer »LWL-Werbeanlage« sowie auch »Kunst als Markenzeichen« ist schwer hinzunehmen. Daher möchte die Initiative Öffentlichkeit herstellen und einen Kunst-Fach-Diskurs eröffnen, um mehr Transparenz und Aufklärung in diese untragbaren Vorgänge zu bringen.

Der Landschaftsverband-Westfalen-Lippe (LWL) als Betreiber des LWL-Museums ist für die, unter kuratorischen und ethischen Aspekten unverantwortlichen, musealen Marketing-Übergriffe auf den eigenen Kunstbestand zuständig. Er ist zugleich Auftraggeber und Veranstalter der internationalen Ausstellung »Skulptur Projekte 2017«, die alle 10 Jahre den Wandel von »Kunst und Öffentlichkeit« in Münster untersucht und thematisiert. Im Jahr 2017 lauten deren Themen »Digitalisierung, Globalisierung und neue Ökonomien«. Was liegt also im Sinne der Kunst näher, als sich auch dieser Vereinnahmung von Kunst für repräsentative museale Zwecke an der Museums-Außenwand verantwortlich zu widmen? Denn hier hängen offenbar entwertende Auswüchse der aktuellen Skulptur Projekte Themen gleichsam als Steilvorlage in Form des »LOGO\PIENE- Amalgams« symbolhaft sichtbar an der eigenen Fassade.

Die »Logo-Attacke auf die Kunst« erhält noch eine besondere Brisanz: Der im Jahr 2014, vor der Einweihung seiner neu digitalisierten »Silberne Frequenz«, verstorbene Künstler Otto Piene soll der Einfügung des LWL-Logos unter »Kunst ist Information«-Aspekten in seine Arbeit zugestimmt haben. LWL-Kulturverantwortliche versichern, der Künstler habe das selbst so gewollt, – damit aber wäre sein Werk inklusive LWL-Logo ein »Kunstwerk«. Selbst wenn dies nicht freiwillig, sondern unter Druck geschehen sein soll: seine Lichtarbeit sollte offenbar ohne Logo-Berücksichtigung nicht wieder installiert werden. Ein Rückbau des LWL-Logos wäre dann aber ein weiterer entmündigender Eingriff in die »künstlerische Arbeit« von Otto Piene. Auch die Auskunft der Stadt Münster auf eine GRÜNEN Anfrage wegen eines möglichen Verstoßes gegen die Altstadtsatzung (»Werbeanlagen in Form von Lichtprojektionen sind danach unzulässig«) behauptet: das sei »Kunst« und keine Werbung!

Das »LOGO\PIENE – Kunst/Marketing-Konstrukt« stellt sich somit unter »Kunst/Autonomie-Fragen« als hochkomplex klärungsbedürftig dar. Eine Entfernung des LWL-Logos vor Beginn der Skulptur Projekte 2017, um Museums-Fassade und Piene-Kunst gleichsam wieder »rein zu waschen«, wäre angesichts seiner zeitaktuellen symbolhaften Bedeutung für die Kunst unverantwortlich. Was immer mit der Piene Arbeit weiterhin geschieht, sie braucht einen ihr angemessenen sorgfältig und gründlich geführten Kunst-Fach-Diskurs während der Skulptur Projekte.

Die Transparenz einfordernde publikumsnahe Neu-Konzeption des LWL-Museums »OFFEN!« dürfte einem verantwortungsbewusst klärenden Umgang mit diesem Thema im eigenen Interesse keine Hindernisse in den Weg legen. Allerdings gehen die Verantwortlichen aktuell nicht offensiv mit dieser Problematik um. Angesichts einer Weltöffentlichkeit bei den kommenden »Skulptur Projekte 2017« droht international ein Gesichtsverlust. In einem, im skulptural emanzipativen Sinn, offen und professionell geführten Auseinandersetzungsprozess mit der »LWL-Fassade« läge die Chance, dass es für eine um die Kunst in Münster besorgte Öffentlichkeit transparent, partizipativ und weltoffen zugewandt nach vorne geht.

Die Initiative für Kunst und Öffentlichkeit fordert daher

  • den Landschaftsverband-Westfalen-Lippe (LWL) auf, neben seinen wissenschaftlichen Kommissionen für Altertum, Mundart, Literatur, Geografie und Volkskunde – auch eine zeitgenössische Kunstkommission einzurichten. Zur Untersuchung des LWL-Marketing-Übergriffs auf die Kunst sowie zum Thema »Wandel musealer und kuratorischer Aufgaben im Zeichen von Digitalisierung, Globalisierung und neuen Ökonomien« als auch für eine kunstfachliche Beratung des LWL-Kulturausschusses.
  • das LWL-Museum für Kunst und Kultur auf, während der »Skulptur Projekte 2017« das von Direktor Dr. Hermann Arnhold bereits mehrfach avisierte internationale Symposium zum Thema »LWL-Logo und Silberne Frequenz« durchzuführen.
  • den Landschaftsverband-Westfalen-Lippe auf, die »Skulptur Projekte 2017« zu beauftragen, die für einen Wandel von »Kunst und Öffentlichkeit« in Münster relevanten Ereignisse an der LWL-Museums-Fassade im Rahmen der Themen »Digitalisierung, Globalisierung und neue Ökonomien« zu untersuchen.
  • LWL und »Skulptur Projekte« auf, am LWL-Museum für Kunst und Kultur den Standort »Vorplatz-Piene« frei zu geben für notwendige partizipative Prozesse, Diskurse und künstlerische Ideen aus der lokalen und internationalen Öffentlichkeit. Anregungen, Konzepte und Kritik sollten bei den Skulptur Projekten gesammelt, diskutiert und dokumentiert werden.
  • die Stadt Münster als Vertragspartnerin des LWL für die »Skulptur Projekte 2017« auf, die für Kunst und Öffentlichkeit und für das Stadtmarketing in Münster relevanten LWL\PIENE Vorgänge in seinen Gremien »Kunstfachbeirat«, »Beirat Münster Marketing« sowie im »Kulturausschuss« zu thematisieren.

Erstunterzeichner*innen des Manifests für Kunst und Öffentlichkeit:

Ursula Achternkamp (Bildende Künstlerin, Havelberg), Rainer Bauer (Bildender Künstler, Aachen), Martin Becker (Stadtplaner, Münster), Frank Behnke (Schauspieldirektor, Theater Münster), Frank Biermann (Musiker/Journalist, Münster), Dr. Silvia Bürkle (Ärztin, Karlsruhe), Prof. Katja Butt (Bildende Künstlerin, Köln), Luzia-Maria Derks (Bildende Künstlerin, Münster), Lena Dues (Kunststudentin, Münster), Reinhard Fiedrich (Grafikdesigner, Münster), Thomas Gerhards (Bildender Künstler, Münster), Hannah Gerlach (Musikpädagogin, Münster), Dr. Hans Gummersbach (Historiker, Münster), Ulrich Haarlammert (Bildender Künstler, Münster), Alfons Hanewinkel (Gestalttherapeut, Münster), Klaus-Dieter Hedwig (Bauingenieur, Münster), Susanne Hegmann (Bildende Künstlerin, Münster), Dr. Martin Henatsch (Büro Kunst & Öffentlichkeit, Hamburg), Jörn Hintzer (Bildender Künstler, Berlin), Erhard Hirt (Musiker, Münster), Georg Janßen (Bildender Künstler, Münster), Christian Jasper (Bildender Künstler, München), Prof. Hans-Paul Isenrath (Bildender Künstler, Le Nayrac), Maryam Kayanor (Bildende Künstlerin, Münster), Manfred Kerklau (Regisseur, Münster), Dr. Max Kobbert (emer. Professor der Kunstakademie Münster), Prof. Andreas Köpnick (Bildender Künstler, Münster), Prof. Milo Köpp (Bildender Künstler, Essen), Ruppe Koselleck (Bildender Künstler, Münster), Anja Kreysing (Künstlerin, Münster), Ulrike Krey-Voss (Kunstherapeutin, Münster), Dr. Sabine Ladwig (Kunsthistorikerin, Ennigerloh), Ute Lemke-Noll (Unternehmerin, Rheurdt), Ekki Maas (Musiker, Köln), Siggi Mertens (Musiker, Münster), Martina Muck (Bildende Künstlerin, Münster), PD Dr. Heinz-Ulrich Nennen (Philosophiedozent, Münster), Gertrud Neuhaus (Bildende Künstlerin, Münster), Julia Pabst (Bildende Künstlerin, Köln), Peter Reuter (Bildender Künstler, Münster), Monika Rincklake van Endert (Rentnerin, Münster), Rudolf Rincklake van Endert (Rentner, Münster), Jörg Rostek (Studierender, Münster), Werner Rückemann (Bildender Künstler, Münster), Prof. Christoph Rust (Bildender Künstler, Hannover), Jens Schneiderheinze, Thomas Behm (Cinema & Linse, Münster), Beate Schlör (Bildende Künstlerin, Münster), Herbert Schoppmann (Bildender Künstler, Münster), Gabriele Seifert (Bildende Künstlerin, Köln), Anke Stellermann (Bildende Künstlerin, Münster), Ulla Struck (Musikerin, Münster), Olaf Thomas (Bildender Künstler, Münster), Stefan Us (Bildender Künstler, Münster), Constanze Unger (Bildende Künstlerin, Münster), Henri Alain Unsenos (Bildender Künstler, Berlin), Dr. Bettina Warwitz (Ärztin, Berlin), Heidemarie Wenzel (Bildende Künstlerin, Münster), Christoph Wickert (Autor, Berlin), Dr. Heiko Winkler (Unternehmensberater, Münster), Prof. Edgar Wilhelm (Theaterpädagoge, Münster), Dr. Annette Wittboldt (Kunsthistorikerin, Kiel)

Hier kann die zugehörige Online-Petition unterzeichnet werden, die Stimmen für eine Untersuchung des LWL-Marketing-Übergriffs auf die »Silberne Frequenz« von Otto Piene sammelt:   https://www.openpetition.de/petition/online/ortungen-2017logo-piene-untersuchung-des-lwl-marketing-uebergriffs-auf-die-piene-kunst-in-muenster 

http://m.wn.de/Muenster/Kultur/2749623-Juergen-Lemke-organisiert-im-Jahr-der-Skulptur-Projekte-Widerstand-LWL-Logo-als-Mahnmal

piene Platzhalter Baustelle

ENGLISH Version:

ORTungen 2017: »LOGO / PIENE – Initiative and Manifesto for Art and the Public Münster«

ONLINE – PETITION

Initiative for art and the public – transparency in times of digitization, globalization and new economies

Jürgen Lemke

The initiative for art and the public will focus on the work of the internationally renowned light artist Otto Piene (group ZERO), newly digitized in 2014, on the outer wall of the „LWL Museum of Art and Culture“ in Münster. Since 1972 the Piene-lightwork has hung on the façade of the „Westphalian State Museum of Art and Cultural History“. With a new museum building and a change of name, a fundamental change of attitude towards art is clearly taking place. In the middle of Otto Piene’s redesigned work, the LWL logo now shines with flawless letters in meter-sized letters. The conversion of the work of art into an „LWL advertising system“ as well as „art as a trademark“ is difficult to accept. Therefore, the initiative wants to establish the public and open up an art discourse in order to bring more transparency and clarification into these intolerable processes.

The Landschaftsverband-Westfalen-Lippe (LWL), the operator of the LWL Museum, is responsible for the museal marketing overshoots which are irresponsible under curatorial and ethical aspects. At the same time, he is the sponsor and organizer of the international exhibition „Skulpturprojekte 2017“, which examines and discusses the change of „art and the public“ in Münster every 10 years. In 2017, they will be discussing „digitization, globalization and new economies“. So what is closer to the art of art than to the taking-over of art for representative museum purposes on the outer wall of the museum? This is because, obviously, deprecatory exaggerations of the current sculpture projects are, as it were, symbolically visible on the facade of the „LOGO \ PIENE-amalgam“.

The „Logo Attack on Art“ still has a special impact: the artist Otto Piene, who died in 2014, before the inauguration of his newly digitized „Silver Frequency“, is supposed to be the insertion of the LWL logo under „art is information“ aspects In his work. LWL-Kulturversantwortliche assure that the artist had wanted it himself, but his work, including the LWL logo, would be a „work of art“. Even if this should not be voluntary, but under pressure: its light work should obviously not be reinstalled without logo consideration. A dismantling of the LWL-logo would then be a further incapacitating intervention in the „artistic work“ of Otto Piene. Also the information from the city of Münster on a GREEN request for a possible violation of the old-town charges („advertising installations in the form of lighting projections are then inadmissible“) asserts that this is »art« and not advertising!

The „LOGO \ PIENE – Art / Marketing-Construct“ thus presents itself as a high complex of clarification under „art / autonomy questions.“ A removal of the LWL logo before the start of the sculpture projects in 2017, the museum facade and Piene art „To wash clean“ would be irresponsible in the face of its contemporary symbolic significance for art. Whatever happens to the work of the pioneer, she needs a proper, thoroughly and thoroughly conducted art-discourse during the sculpture projects.

The transparency of the LWL-Museum „OPEN!“, Which demands a visibility to the public, should not put obstacles in the way of dealing with this topic in its own interest. However, the responsible persons are currently not acting offensively with this problem. In the face of a world publicity in the upcoming „Sculpture Projects 2017“, a face loss is threatening internationally. In an openly and professionally conducted struggle with the »LWL-façade«, which is openly and professionally conducted in a sculptural, emancipative way, there is the chance that the public will be transparent, participatory and cosmopolitan towards the front for a public concerned about the art in Münster.

The initiative for art and the public therefore demands

  • The Landschaftsverband-Westfalen-Lippe (LWL), in addition to its scientific commissions for antiquity, dialect, literature, geography and folklore, as well as a contemporary art commission. To examine the LWL marketing overlap on art as well as the topic of »Changing of museal and curatorial tasks in the sign of digitization, globalization and new economies«, as well as an expert consultation of the LWL Culture Committee.
  • The LWL-Museum for Art and Culture, during the »Sculpture Projects 2017«, the International Symposium on the subject of »LWL-Logo and Silver Frequency«, which has already been announced several times by Director Dr. Hermann Arnhold.
  • The „Skulpturprojekte 2017“, the „Sculpture Projects 2017“, the events relevant to a change of „art and the public“ in Münster on the LWL Museum façade in the context of the topics „Digitization, Globalization and New Economies“ to investigate.
  • LWL and „sculpture projects“ to release the location in front of the LWL Museum of Art and Culture (Otto Piene) for necessary participatory processes, discourses and artistic ideas from the local and international public. Suggestions, concepts and criticism should be collected, discussed and documented during the sculpture projects.
  • The City of Münster as the contracting partner of the LWL for the „Skulpturprojekte 2017“, the LWL \ PIENE events relevant to the arts and the public and for the city marketing in Münster in its committees „Kunstfachbeirat“, „Advisory Council on Marketing“ and in the „Kulturausschuss“ broach.

First signatory * of the Manifesto for art and the public:

(please see list above in German part)

Here the corresponding online petition can be signed, which collects votes for an examination of the LWL marketing overlap on the „Silver Frequency“ of Otto Piene:

  https://www.openpetition.de/petition/online/ortungen-2017logo-piene-untersuchung-des-lwl-marketing-uebergriffs-auf-die-piene-kunst-in-muenster 

http://m.wn.de/Muenster/Kultur/2749623-Juergen-Lemke-organisiert-im-Jahr-der-Skulptur-Projekte-Widerstand-LWL-Logo-als-Mahnmal

»Logo-Piene!« Kunst verkommt zum Markenzeichen am »Skulptur Projekte Basislager« LWL-Museum

von Jürgen Lemke

Noch 1 Jahr bis zur Eröffnung! Welche konkreten Auswirkungen haben die Themen der Skulptur Projekte 2017 »Digitalisierung und Ökonomisierung« auf die Kunst im Öffentlichen Raum Münster’s? Wie konnte es dazu kommen, dass es schon vor Beginn, ausgerechnet am LWL-Museum mit dem LWL-Markenzeichen Piene hierfür ein leuchtfeuerndes Beispiel gibt, das aber in der LWL-Skulptur Projekte-Pressekommunikation im Dunkeln bleibt. Warum geht man nicht offensiv mit aktuell brennenden Fragen um, wenn doch eigentlich das Prinzip »Offen« gelten soll, das sich der LWL-Landschaftsverband Westfalen-Lippe auf seine Fahne geschrieben hat? Das Kunst-Publikum in Münster wartet immer noch auf Antworten.

Die Skulptur Projekte stellen sich alle zehn Jahre der Aufgabe zu untersuchen, was sich in Münster hinsichtlich Kunst und Öffentlichkeit gewandelt hat. Da müsste es eigentlich mehr als selbstverständlich sein, auch die Kunst-Entwicklungen an der LWL-Fassade, am Basislager der Skulptur Projekte, in den Blick zu nehmen und öffentlich zu thematisieren. Das Thema ist hochbrisant, geht es hier doch um eine museale Vereinnahmung der Kunst für Marketing Zwecke. Das LWL-Logo steht erschreckend groß und glänzend symbolhaft aber völlig fehlplaziert in der neu digitalisierten Piene-Kunst »Silberne Frequenz«.
Das trifft die Themen der Skulptur Projekte 2017 so exakt auf den Punkt, dass es offenbar sprachlos macht. Diese »Werbeanlage« hat schon auch etwas derart tolldreist provozierend Kunst-Negierendes, dass der Kunstkenner sich fragt: wie kann ausgerechnet in der inzwischen vierzig Jahre lang durch Kunst sensibilisierten Stadt der Skulptur Projekte so ein Missbrauch geschehen? Erleben wir nun das Phänomen »Des Kaisers neue Kleider«: Keiner wagt es, Wahrheiten öffentlich auszusprechen? Liegt die Kunst ökonomiebedingt in LWL-Fesseln? Wie können die LWL-Verantwortlichen den allabendlich flackernden lokalen Kunst-Brand im eigenen Hause so scheinheilig verschweigen und gleichzeitig ein großes internationales Kunst-Feuerwerk verkünden wollen? Wie lange will man den schönen Schein noch aufrecht halten? Allmählich wird es unglaubwürdig und peinlich.

Die Kunst ist im eigenen Haus angegriffen! Es ist ein Skandal!

Man stelle sich nur einmal vor, LWL-Museumsdirektor Dr. Arnhold ginge auf Geheiß der LWL-Kulturdezernentin Dr. Rüschoff-Thale mit glühendem Eisen an die LWL-Bilder im LWL-Museum, um Ihnen unten rechts als Branding das LWL-Logo zu verpassen. Würden auch solcherart werbende LWL-Rauchzeichen an Originalen, im Stile von Pienes ehemaligen experimentellen Arbeiten, vom LWL-Parlament und der Münsteraner Öffentlichkeit so einfach hingenommen?

  • Was geschieht eigentlich mit der Aura von Kunstwerken im Zeichen von Digitalisierung und Ökonomisierung?
  • Sinken im Zuge von Digitalisierung und Technisierung Zugriffsschwelle, Respekt und Achtung vor Kunst und Künstler und ermöglicht dies leichter einen marketingbedingten Übergriff und einen Missbrauch?
  • Es brennt und raucht gewaltig an der LWL-Museums-Fassade – aber eben wohl nur harmlos virtuell? Ist das Basislager der LWL-Skulptur Projekte schon völlig vernebelt?
  • Was bedeutet unter dem Einfluss der globalen Themen noch kuratorische Sorgfaltspflicht gegenüber Kunst und Künstler?
  • Darf ein Museum sich aus Repräsentationsgründen an seiner Kunst vergreifen?
  • Welche ethischen Werte gegenüber seiner Kunst gelten für ein LWL-Museum?
  • Darf der LWL, als Kommunalverband mit öffentlichen Aufgaben, sich im Bereich Marketing wie ein Konzern verhalten: »Wir unternehmen Gutes«?

Diese spannenden Fragen sollten am brennenden Fassaden-Beispiel vorrangig im Vorfeld der Skulptur Projekte diskutiert werden! Das ist die dringlichste Haus-Aufgabe der Skulptur Projekte Münster – und nicht die einer Bürgerinitiative! Es sollte alle zehn Jahre ein diskursiver Prozess mit der Öffentlichkeit geführt werden. Und dies sollten die Skulptur Projekte insbesondere dann auch verantwortlich und aktiv am eigenen Hause tun dürfen – wenn es dort massiv brennt.
Hierzu braucht es allerdings das klare Plazet des Auftraggebers Landschaftsverband Westfalen-Lippe, verbunden mit einer sich selbst auferlegten umfassenden Reflexion zu den Themen:

  • Wie geht eigentlich noch ein verantwortliches museales Handeln gegenüber der Kunst angesichts zunehmender Digitalisierung und Ökonomisierung?
  • Wie wird der gut gemeinte aber hier wohl eher scheinheilige LWL-Werbe-Slogan »Offen« in die Wirklichkeit umgesetzt?

Das »LWL-Logo in der Piene-Kunst« ist eine Steilvorlage für die Themen der Skulptur Projekte »Digitalisierung, Ökonomisierung und Globalisierung«! Einige fordern nun, dass das LWL-Logo aus der Piene Arbeit entfernt werden müsste. Meiner Ansicht nach wäre das falsch angesichts der Brisanz und Wichtigkeit obiger Themen. Das »LWL-Piene-Werbe-Amalgam« gehört unbedingt in eine Kunst- und Öffentlichkeits-Debatte der Skulptur Projekte! Wer nun vor Beginn der Projekte den Rückbau des Logos fordert, um LWL-Fassade und Piene-Kunst quasi wieder schön sauber zu waschen, handelt fahrlässig gegenüber der Notwendigkeit einer gründlichen Aufarbeitung des Sachverhalts und der grundsätzlichen Auseinandersetzung mit diesem Angriff auf die Kunst. Zudem würde dies als eine feige »Fassaden-Rein-Wasch-Aktion« vor der Weltöffentlichkeit angesehen werden, um ein zweifelhaftes Ansehen zu bewahren. Diese »Logo-Attacke auf die Kunst« am LWL-Museum ist geschehen – dazu muss dann auch verantwortlich gestanden werden! Das lässt sich nicht einfach wegwischen, wie ein Taubenschiss.

Die Skulptur Projekte zusammen mit dem LWL müssen nun selbst offensiv den Dialog mit der Öffentlichkeit am Standort vor der Fassade ihres musealen Basislagers eröffnen und ihn auch moderieren. Hierbei kann sicherlich auch eine Initiative aus der Bürgerschaft unterstützen. Es gibt viele Ideen, Anregungen und Fragen aus der fach- und sachkundigen Münsteraner Bürgerschaft, die bei den Skulptur Projekten gesammelt und dokumentiert werden müssten:

  • Wie ist nun weiterhin mit diesem »LWL-Markenzeichen« umzugehen?
  • Ist diese »Werbeanlage« überhaupt noch Kunst oder kann sie auch selbst künstlerisch thematisiert und darüber in etwas Neues gewandelt werden?
  • Gibt es hierzu einen öffentlichen Ideen-Wettbewerb?
  • Nun kann Direktor Dr. Arnhold auch endlich sein lang geplantes Symposium zum »LWL-Logo im Piene« durchführen!

In einem – im skulpturalen Sinn –  kritisch geführten Auseinandersetzungsprozess mit der LWL-Fassade liegt die Chance, dass es für die Kunstöffentlichkeit in Münster, angesichts solch aktuell brennender und brenzliger Themen, nun partizipativ weltoffen und engagiert nach vorne und nicht marketingtechnisch bedingt glatt und scheinheilig weiter nach hinten los geht.
Bevor es groß in die Welt geht, sollte erst mal das eigene Haus, die Basis im Lager, geklärt werden, wenn es dort lichterloh brennt! Es braucht beim LWL nun kluge Interessensabwägungen und mutige Entscheidungen. Und auch personelle Konsequenzen!
Die Skulptur Projekte Münster 2017 haben einen seriösen Auftrag zur Untersuchung von »Kunst und Öffentlichkeit« und bei diesem hausgemachten Problem geradezu eine »hoheitliche Aufgabe zur Bewahrung der Kunst vor solcher Art Zugriffe«, die sich hier ganz deutlich über die Eigeninteressen des LWL stellen müsste. Ansonsten droht auch für sie ein Image- und Glaubwürdigkeitsverlust. Die Möglichkeit einer weltweiten künstlerischen Diskreditierung ihres Vorzeigeprojekts wegen ungelöster Fassaden-Probleme sollten sich LWL und Kooperationspartner Stadt Münster gut überlegen.

Hier einige konkrete Handlungs-Ideen dazu:

  • Erteilung eines Prüfauftrags des »Auftraggebers LWL« an seinen »Auftragnehmer  Skulptur Projekte 2017« zur Untersuchung und Thematisierung der für »Kunst und Öffentlichkeit« relevanten Ereignisse an der  LWL-Museums-Fassade angesichts seiner Themen »Digitalisierung und Ökonomisierung«
  • die Skulptur Projekte geben den Standort vor der LWL-Museums-Fassade frei für notwendige partizipative Prozesse und Ideen aus der Öffentlichkeit
  • der LWL richtet  – neben den sicherlich wichtigen wissenschaftlichen Kommissionen für Altertum, Mundart, Literatur, Geografie und Volkskunde – endlich auch eine zeitgenössische Kunstkommission ein, zur Untersuchung des LWL-Marketing-Übergriffs auf die eigene Kunst sowie zum Thema »Wandel musealer kuratorischer Aufgaben und Sorgfaltspflichten im Zeichen von Digitalisierung und Ökonomisierung« und auch für die fachliche Beratung des LWL-Kulturausschusses
  • der LWL überprüft personelle Konsequenzen im eigenen Haus: Wer für so einen Skandal an der Kunst im eigenen Museum verantwortlich ist, sollte eigentlich freiwillig seinen Hut nehmen
  • die offensiven öffentlichen Maßnahmen im Umgang mit der eigenen Fassade von Seiten LWL und  Skulptur Projekte sollten auch von der Stadt Münster unterstützt werden – es geht auch für sie um einen möglichen Imageverlust angesichts der Skulptur Projekte 2017.
  • Zu diesem wichtigen Thema könnte auch die Kunstkommission der Stadt Münster einberufen werden – zwecks Erarbeitung einer Empfehlung für den Kulturausschuss

Hier kann man eine Petition zur Untersuchung des LWL-Marketing-Übergriffs auf  die »Silberne Frequenz« von Otto Piene unterstützen: 

https://www.openpetition.de/petition/online/ortungen-2017logo-piene-untersuchung-des-lwl-marketing-uebergriffs-auf-die-piene-kunst-in-muenster

 

http://m.wn.de/Muenster/Kultur/2749623-Juergen-Lemke-organisiert-im-Jahr-der-Skulptur-Projekte-Widerstand-LWL-Logo-als-Mahnmal

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